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Egelsbacher Himmelsohren sorgen für Transparenz im Egelsbacher Luftraum

Seit einigen Monaten beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe der FLAG-E mit dem Projekt „Egelsbacher Himmelsohren“. Was verbirgt sich dahinter?

Schon lange besteht seitens der Egelsbacher Bürgerinnen und Bürger das berechtigte Interesse, Informationen über die Flugbewegungen über Egelsbach zu erhalten: Lärmemissionswerte, Flugzeiten und -routen aber auch der Verkehrsmix von Hubschraubern, Sportflugzeugen und jetzt auch Jets – darüber wollen wir gerne umfassend informiert werden. Die tatsächlich zur Verfügung gestellten Informationen sind allerdings äußerst gering. Außerdem ist eindeutig davon auszugehen, dass sich durch den neuen amerikanischen Großaktionär Net Jets zukünftig einiges ändern dürfte. Schließlich forderte Net Jets in den Verkaufsverhandlungen einen Persilschein der Gemeinden u.a. für den Ausbau des Flugplatzes und eine Erhöhung der Dezibel Grenzen. Es ist deswegen in unserem besten Interesse, wenn wir uns nicht länger von der spärlichen Informationspolitik der HFG abhängig machen, sondern selber qualifiziert messen und aufzeichnen, was sich da am Egelsbacher Himmel so tut.

Bei unserer Recherche sind wir auf den Deutscher Fluglärmdienst e.V. (DFLD) aufmerksam geworden. Als gemeinnütziger Verein stellt der DFLD Bürgerinitiativen wie der FLAG-E aber auch  Kommunen eine detaillierte Infrastruktur für die Aufzeichnung und Messung von Flugbewegungen zur Verfügung. Der DFLD betreibt derzeit in 6 Ländern bereits über 250 Messstationen – vom Großflughafen bis hin zum Regionalflughafen. Sie sind damit der ideale Partner für unser Anliegen.

Wie funktioniert und welche Vorteile haben die Egelsbacher Bürger und Bürgerinnen durch die Datenerfassung und –analyse der DFLD?

Messung der flugbedingten Lärmemissionen

Kernstück dieses Systems sind Lärm-Mess-Stationen, die ausgestattet mit den hochwertigsten Mikrofonen rund um die Uhr den Umgebungslärm in seinen Rohdaten messen. Wir haben uns für ein hochwertiges Gerät der Klasse 1 entschieden, den Schallpegel Monitor SPM483. Durch das Charakteristikum typischer Lärmkurven von Flugzeugen identifiziert das System automatisch den spezifischen Fluglärm und damit die Anzahl, die Uhrzeit und die Lautstärke der Überflüge. Die Überflüge werden in der Lärmkurve markiert und für weitere Auswertungen herangezogen.

Standorte der Lärmmessstationen

Für die FLAG-E war nun zu entscheiden, wo wir die Messstationen errichten sollten. Wir haben uns für jeweils einen Standort in der Leipziger- und in der Thüringer Straße entschieden.  Damit messen wir in dem Bereich, für den im Planfeststellungsbeschluss von 2002 das Regierungspräsidium Darmstadt einen maximalen äquivalenten Dauerschallpegel von 55 dB für den Fluglärm festgelegt hat. Hier können wir direkt am dicht bewohnten Ortsrand von Egelsbach und parallel zur Start- und Landeschneise des Egelsbacher Flugplatzes so gut wie alle Flugbewegungen genauestens erfassen.

Seit Ende März haben wir nun schon die erste Messstation in der Leipziger Straße aktiv geschaltet und können so täglich verfolgen, wie sich der Flugverkehr über Egelsbach entwickelt und wie er sich auswirkt. Für die zweite Messstation müssen wir noch ein bisschen sparen und Spenden einsammeln. Das gesamte System kostet schließlich ca. 7.500 €, was für einen Verein unsere Größenordnung keine leichte Aufgabe ist. Die Messstation #2 wird uns dann aber noch einen weiteren Vorteil bringen. Da dort der Fluglärm in einem kurzen Zeitabstand zur Station #1 aufgezeichnet wird, lässt sich durch das Übereinanderlegen der beiden Lärmkurven eindeutig belegen, welche Lärmemissionen allein auf die Flugbewegungen zurückzuführen ist. Damit ist frühzeitig jeglichem unqualifizierten Einwand seitens der HFG oder lärmaffiner Parlamentarier der Wind aus den Segeln genommen. Mit diesem System haben wir eine Datenlage in der Hand, die den maßvollen Bemühungen seitens der HFG weit überlegen ist.

Auch in Erzhausen beabsichtigt man, eine weitere Messstation zu installieren und damit mess- und belegbar zu machen, wie stark die Bürger und Bürgerinnen unserer Nachbarkommune unter dem Fluglärm des Egelsbacher Flugplatzes leiden.

Auswertungen

Die erfassten Lärmdaten werden aufgezeichnet, als Grafik abgebildet und Tages- und Monatsreports erstellt. Damit sind wir nun auch in der Lage mittel- oder langfristige Veränderungen des Flugverkehrs zu messen und nachzuweisen. Aber auch jeder einzelne Flug ist nun viel exakter daraufhin überprüfbar ob die genehmigten Betriebszeiten eingehalten wurden und welcher Lärm erzeugt wurde. Wenn das Flugzeug oder der Hubschrauber darüber hinaus auch noch über einen sogenannten Transponder verfügt, also ein Funk-Kommunikationsgerät, können wir dank des installierten Empfangsgerätes diese Flugzeuge eindeutig identifizieren, aber auch Ihre Flugroute und Flughöhe genau bestimmen.

Beschwerdemanagement

Damit ist eine entscheidende Hürde genommen, um ein effektives Beschwerdemanagement aufzubauen. Die erforderlichen Angaben, die die Betroffenen bisher immer nur aus eigener Anschauung schildern aber nur schwer beweisen konnten, sind nun durch die umfangreiche Datenlage voll verfügbar und es wird viel leichter fallen, Missetäter zu überführen und dafür zu sorgen, dass diese auch zur Rechenschaft gezogen werden können.

Transparent und zeitnah über Internet

Eines der besonderen Vorteile diese Systems ist darüber hinaus, dass alle Daten und Auswertungen wirklich jedem zur Verfügung stehen. Im Internet werden frei zugängig alle Messdaten und alle Auswertungen zeitnah zur Verfügung gestellt. Damit sind die Zeiten vorbei, an denen ein kleiner Kreis mit spärlichen Informationen, die nicht verifizierbar sind, abgespeist wurde. Damit schaffen wir uns jetzt die Transparenz, die die HFG immer gescheut hat.

Wir bedanken uns bei allen Spendern, die es uns ermöglicht haben, die erste Lärm-Mess-Station zu errichten und freuen uns über jede Spende, die es uns ermöglicht, auch die zweite Messstation in Betrieb zu nehmen.

2 comments to Egelsbacher Himmelsohren

  • Julian

    Hallo,

    tolles System. Ich sehe garkeine Probleme, der Lden (Überflüge) liegt DEUTLICH unter dem Wert von 55dba (aktuell Juni 49.9, Mai 49.4) und der Gesamtlärm bei 57.0 bzw 61.6 für Juni, hier ist aber dann wohl auch die S-Bahn und Autobahn etc mit drin ?

    Also: Wo soll es denn wie von FLAG immer angeführt so wahnsinnig laut sein ?
    An der Stelle der Messstation offensichtlich nicht…

    Mfg
    Julian (ein Pilot)

  • Günther

    Hallo Julian,

    Danke für den wichtigen Hinweis. Wir haben die Parameter noch einmal überprüft und optimiert. Unser System hat vor allem die lauten Jets aufgrund ihrer ungewöhnlichen Lärmkurve nicht als Überflug erkannt. Die Helikopter werden leider noch nicht alle vollständig erkannt und erfaßt, weil deren Lärmkurve vom System erst „gelernt“ werden muss. Jetzt kommt aber die Statistik auch den Messwerten der HFG immer näher und wir können eine gute und zuverlässige Datenqualität liefern. Relevant und zum Vergleich geeignet sind die Werte L-tag der Überflüge und L-tag Gesamtlärm. Das sieht im Juli so aus: 51,8 zu 55,3.
    Wenn man bedenkt, dass da noch ein paar Helikopter fehlen, erkennt man schnell, dass der Fluglärm wesentlicher Bestandteil des Gesamtlärms ist.

    Laut sind für die betroffenen Anwohner aber vor allem die hohen Einzelschallereignisse, die teileweise über 85dB kommen.
    Und natürlich die unnötigen Flüge über oder knapp an Wohngebieten vorbei, die die Piloten eigentlich im eigenen Interesse vermeiden könnten bzw. sollten.

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